Frankreich – 1792 bis 1799 – Der Revolutionsverlauf (2)
September 13, 2011 Hinterlasse einen Kommentar
Die französische Revolution

(anonymes Porträt, um 1793, Musée Carnavalet) Maximilien Marie Isidore de Robespierre
Die französische Revolution führte zu großen Veränderungen in Europa, da der absolutistisch regierende Monarch abgesetzt wurde. Das Volk will an die Macht.
Man darf bei der Revolution aber nicht von einer ganz großen ausgehen, sondern von vielen kleinen, die sich über mehrere Jahre hinzogen. Der Übersicht halber, habe ich die Ereignisse nacheinander angeordnet.
3. Warum endete die Revolution überhaupt in der Schreckensherrschaft und was ist das?
Robespierre und die Schreckensherrschaft
Schreckensherrschaft, “was isn das fürn Ding?”, fragen sich vielleicht der ein oder andere. Nachdem die französische Revolution anscheinend so super geklappt hat mit der Stürmung der Bastille, der Nationalversammlung und dem ganzen anderen Krempel könnte man denken jetzt wird es besser, wie es im “Ancien Régime” (das absolutistische Frankreich unter Ludwig XVI.(16)) war.
Aber wie es kommen musste ging gewaltig was schief. Das fing mit der Hinrichtung von Ludwig XIV. (16) und seiner Frau Marie Antoinette an. 1792 wurde Frankreich von der Nationalversammlung zur Republik (eine Republik ist eine Staatsform, wo die Regierung durch das Volk gewählt wird. Wir haben z.B. heute in Deutschland auch eine Republik.) erklärt. Sie ist jetzt also keine Monarchie (eine Monarchie ist eine Staatsform, wo der König der Boss ist und das Volk seine Untertanen. Das ist jetzt nur so dahingenusselt, Definitionen, die genauer sind schreibe ich irgendwann anders mal auf) mehr. Bevor Frankreich allerdings eine Republik wurde gab es eine “konstitutionelle Monarchie”, in der Ludwig XIV. immer noch mit seiner Frau Marie Antoinette regierte, allerdings unter Kontrolle von der Nationalversammlung bis zu seinem Tod durch die Guillotine. Als der König beseitigt war wurde Frankreich zur Republik ausgerufen.
Das Volk war aber immer noch nicht so ausgechillt, wie man denken könnte. Der Hass war noch zu groß. In den “Septembermorden” von 1792 brachten die wütenden Massen in Paris circa 1000 Menschen um. Die Septembermorde waren so grausam, dass in anderen Ländern Europas, Frankreich richtig abstoßend angesehen wurde. Es waren vor allem Frauen an diesen Morden beteiligt.
Frankreich befand sich während dem ganzen Zenober noch im Krieg mit Preußen, Österreich und Großbritannien. Die brachten in Frankreich zusätzlich alles durcheinander, besetzten Regionen, Häfen und ließen Frankreich immer mehr ins Unglück stürzen.
Aber immer wenn sowas passiert steckt irgendein Knaller dahinter, der manipuliert und die Dinge in die Hand nimmt. In diesem Fall waren es aber mehrere Burschen, welche die Terrorherrschaft möglich machten. Die Rede ist von Maximilien de Robespierre, ein Rechtsanwalt und insgesamt eine widersprüchliche Figur. Aber er hat den Laden nicht alleine geschmissen. Mit von der Partie waren der Justizminister Danton und der Unruhestifter Marat. Die drei Typen hatten alle ihren Zweck.
Robespierre wurde 1789 in die Generalstände, (siehe Definiton in Teil 1) der Nationalversammlung (siehe Teil 1) gewählt. Er hatte zuerst aufklärerische Ansichten und fand die Monarchie super, verurteilte die Todesstrafe sogar. Aber im Laufe der Revolution und den Nusselkönig Ludwig XIV., welcher versuchte zu flüchten um die “alte Ordnung” wiederherzustellen, wandelte er sich und hatte jetzt auf einmal sehr radikale hardcore- Ansichten ähnlich wie Marat und Danton.
Die Nationalversammlung war eingeteilt in mehrere “Clubs”, also sowas wie Parteien. Darunter waren auch die Jakobiner, die mächtigesten und einflussreichsten von den Clubs. Der erste Vorsitzende von diesen Typen war ein Mann namens Mirabeau, der den Laden schmiss. Des Weiteren gab es noch die Girondisten, die auf diesen voll harten Stil der Jakobiner keinen Bock hatten. Zwischen den beiden gab es immer Streitigkeiten.
Nach Mirabeaus Tod im Jahr 1791, übernahm Robespierre die Führung und durch seine Ansichten wurde der Club immer extremer.
Die neue Führung machte harte neue Gesetze und Terror in der Justiz, also dem Rechtswesen.
Robespierre war der Überzeugung, dass Terror/Schrecken, ein gutes Wort ist und er mit diesem Wort den Staat festigen wollte. Theorie: “In einem Tugendstaat seien das Volk durch Vernunft zu leiten und die Feinde des Volkes durch terreur (Terror) zu beherrschen.”
Das bedeutete, dass jeder, der ein Feind der bürgerlichen Revolution, den Jakobinern, oder sonst kritisch war sterben musste.
Terror war für ihn so normal wie Zähne putzen. Er war ein Groupie der Aufklärung und versuchte das in aller Macht darzustellen. Es gab Bestrebungen, das Christentum abzuschaffen. Ein eigener Revolutionskalender wurde eingeführt, der nicht im Jahr 0 n.Chr. anfängt, sondern 1793. Robespierre präsentierte sich selbst als Gott der Aufklärung. Spätestens da läuteten bei vielen Leuten die Alarmglocken, dass der Junge nicht mehr alle Latten am Zaun hatte.
Zu seinen bekanntetsten Taten zählen jedoch die Hinrichtungen. Robespierre selber war also inzwischen, so durch den Wind, dass er das was er tat, für moralisch richtig hielt. Er ließ immer mehr Revolutionsgegner ermorden und das war so zufällig, dass am Ende jeder ne Klatsche hatte und sich bedroht fühlte. Sein Club und seine Umgebung hatten die Schnauze voll. Erst segnete Marat das Zeitliche durch ein Attentat (ausnahmsweise nicht durch die Guillotine), dann landete Danton auf dem Schaffot und am Schluss Robespierre selber. Der Terror kratzte gewissermaßen mit Robespierre ab.
16000 Todesurteile wurden ausgesprochen, aber in der Gesamtzahl waren es ungefähr 40000 Tote, die in der neuen Republik sterben mussten. Die meisten Opfer waren aus dem dritten Stand. Diese Zahlen muss man sich mal reinziehen!
Die bürgerliche neue Mehrheit hatte nun keinen Bock mehr auf das Blutvergießen und machte ein neues Gesetz, wegen der Schreckensherrschaft und ihren Folgen. Die alte Verfassung von 1789 wurde wieder eingesetzt und anstelle des Königs ein Direktorium (fünf Vertreter, ähnlich wie Minister) gewählt.

Guillotinen (rechts eine im Stil der Guillotinen von 1792)
Unter der neuen Regierung wurden aber erneut die Preise angehoben und den ärmeren Schichten ging es wieder dreckig. Hmm … Déjà-vu.1795 gab es einen erneuten Aufstand, sozusagen die französische Revolution reloaded, die allerdings niedergeschlagen wurde. Konterrevolutionen fanden auch statt. In diesen Revolutionen wollten Königstreue Monarchisten die alte Ordnung wiederherstellen.
Die Guillotine wurde 1789, von einem Mann namens Joseph Guillotin, zur besseren Massenhinrichtung von Menschen (hauptsächlich von Adeligen), vorgeschlagen. Das Fallbeil war damit schneller als der stinknormale Henker. Der Kopf ließ sich direkt und schnell abtrennen. So wurde auch der König und seine Königin umgebracht.
Die Hinrichtungen waren ein richtiges Spektakel für die Bevölkerung, das bei jedem rollenden Kopf einen Applaus abgab.
Aber nicht nur in Frankreich war die Guillotine der Burner. Überall wurde sie zu Hinrichtungen eingesetzt. In Deutschland zuletzt 1949.
Fassen wir nochmal zusammen: Die Auswirkungen der Revolution
Nach diesem ganzen Mist, in der die Revolution geendet hat fragt man sich: “Hat das ganze überhaupt was gebracht oder war das ein Schuss in den Ofen?” Die Grundgedanken von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit waren zwar ziemlich dufte, wurden aber von der Schreckensherrschaft schnell wieder ausgeschaltet.
Trotzdem gab es Erfolge:
- Das Feudalsystem wurde abgeschafft
- der Mittelstand (und nicht mehr der Adel) waren die stärkste Macht
- Eine der ersten Demokratien zu dieser Zeit machte freie Wahlen möglich
- Das hatte große Auswirkungen auf Europa und auf andere Revolutionen
Quellen
- Der große Atlas der Weltgeschichte, hrsg. von Parragon Books | S. 182,183
- PM. History, Ausgabe 09/2011, S.33 Robespierre: Vater des Terrors